23. Februar 2024
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ibrary
Essentials

In der Ausgabe 10/2023-1/2024 (Dez. 2023/Jan. 2024) lesen Sie u.a.:

  • AI Literacy in Bibliotheken und Wissenschaft
  • Bibliotheken und das Metaversum
  • Library Publishing und das Problem der Langzeitarchivierung von
    Open-Access-Publikationen
  • Gender und Sexualität in Bibliotheken
  • Entwicklungen im Bereich Open Science
    im Jahr 2023
  • Auskunfts- und Informationsdienste
    in Bibliotheken
  • Die transparente Dokumentation
    von Cultural Heritage Datasets
  • Die Rolle der Bibliotheken
    im Bereich reproduzierbarer Forschung
  • Bibliothekstrends 2023 in UK
  • Open Acces und DEAL
u.v.m.
  fachbuchjournal
Ausgabe 6 / 2023

BIOGRAFIEN
Vergessene Frauen werden sichtbar

FOTOGRAFIE
„In Lothars Bücherwelt walten magische Kräfte.“
Glamour Collection, Lothar Schirmer, Katalog einer Sammlung

WISSENSCHAFTSGESCHICHTE
Hingabe an die Sache des Wissens

MUSIK
Klaus Pringsheim aus Tokyo
Ein Wanderer zwischen den Welten

MAKE METAL SMALL AGAIN
20 Jahre Malmzeit

ASTRONOMIE
Sonne, Mond, Sterne

LANDESKUNDE
Vietnam – der aufsteigende Drache

MEDIZIN | FOTOGRAFIE
„Und ja, mein einziger Bezugspunkt
bin ich jetzt selbst“

RECHT
Stiftungsrecht und Steuerrecht I Verfassungsrecht I Medizinrecht I Strafprozessrecht

uvm

Max-Herrmann Preis 2008 geht an Karin von Welck

In diesem Jahr erhält Karin von Welck, von 1998 bis 2004 Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, die wichtigste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird.

Seit dem Jahr 2000 verleihen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. mindestens alle zwei Jahre den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht hat. Zu den von einer Jury ausgewählten Preisträgern gehörten bislang neben anderen die Historikerin und Gründerin der Mendelssohn-Gesellschaft, Cécilie Lowenthal-Hensel, die Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau und wichtige Partnerin bei der Lösung des Problems der Beutekunst, Jekaterina Geniewa, sowie der langjährige Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe.

Die diesjährige Preisträgerin, Frau Professor Karin von Welck - seit nunmehr vier Jahren Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg - zeichnete sich während ihrer außerordentlich erfolgreichen Tätigkeit als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder als bedeutende Förderin von Bibliotheken aus. So setzte sie sich, weit über ihre Pflichten hinaus, für die Gewinnung wertvollen Kulturguts ein. Dabei verband Frau von Welck stets ihr persönliches Engagement und ihre Sachkunde mit dem zuverlässigen Agieren der von ihr geführten Kulturstiftung der Länder. Nicht allein, dass diese Institution herausragende Projekte direkt unterstützte, zugleich band sie andere Stiftungen und private Förderer nutzbringend ein und war so stets ein starker Partner von Bibliotheken.

Beispielhaft erwähnt seien die für die Staatsbibliothek zu Berlin in der Amtszeit Frau von Welcks getätigten Erwerbungen der Handschrift des Opus postumum von Immanuel Kant, des Tagebuchs aus der Schulzeit in Stuttgart von Georg Wilhelm Friedrich Hegel und der mittelalterlichen Handschrift Das Buch von dem Vechten und von der Ritterschaft von Christiane de Pizan. Das umfassende Engagement der Stiftung für die Restaurierung der größten hebräischen Bibelhandschrift auf Pergament, die Bibel Erfurt 1, sicherte unersetzliches Kulturgut. Bei den Bemühungen um die Rückführung von kriegsbedingt verlagerten Büchern aus Osteuropa zeichnete sich Frau von Welck durch großen Einsatz und Fingerspitzengefühl aus und trug so zu wichtigen Fortschritten in diesem komplizierten Prozess bei. Unter anderem förderte die Kulturstiftung der Länder eine weithin beachtete Ausstellung des bedeutenden deutsch-polnischen Sammlers Tomasz Niewodniczanski in der Staatsbibliothek zu Berlin. Parallel finanzierte sie die Herausgabe des zweibändigen Verzeichnisses aller Polonica im Besitz des Sammlers Niewodiczanski, welche dieser im Falle einer Rückführung der Bestände der Preußischen Staatsbibliothek aus Polen nach Berlin im Gegenzug seinem Heimatland überlassen würde.

Der Preis ist nach dem bedeutenden Literaturwissenschaftler Max Hermann benannt, der 1923 an der Humboldt-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. Herrmann baute ehrenamtlich die "Bibliothek deutscher Privat- und Manuskriptdrucke der Gesellschaft für deutsche Literatur" auf, welche seit 1905 in der Königlichen Bibliothek, später Preußischen Staatsbibliothek aufgestellt war. Seine wissenschaftliche Laufbahn - er forschte zur Theatergeschichte des Mittelalters und der Renaissance - wurde mit der Machtergreifung durch die Nazis und deren Terrorherrschaft abrupt beendet. Bereits 1933 wurde der brillante Forscher zwangsemeritiert. In der Staatsbibliothek durfte er keine Bücher mehr ausleihen, konnte diese lediglich – über siebzigjährig – am Stehpult einsehen. Im Jahr 1942 wurde er im KZ Theresienstadt ermordet. Im Gedenken an Max Herrmann wird der Preis in der Regel am 10. Mai vergeben, jenem Tag, an dem im Jahr 1933 in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek öffentlich Bücher verbrannt wurden.