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7. März 2026
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In der Ausgabe 02/2026 (März 2026) lesen Sie u.a.:

  • Seniorinnen und Senioren entdecken soziale Netzwerke – Chancen und Aufgaben für Bibliotheken
  • Chatbots im Auskunftsdienst wissenschaftlicher Bibliotheken
  • Bibliotheken unter Druck – Was der Hamburger Sparkurs über den Zustand
    des Wissenschaftssystems verrät
  • Die „Big Three“ der Wissenschaftsinformation – Web of Science, Scopus und OpenAlex im systematischen Vergleich
  • Der Strukturwandel im italienischen Buchmarkt – Lehren für Europa,
    die Leseförderung, den Buchhandel
    und Künstliche Intelligenz
  • GenAI in der Hochschulbildung –
    Wer forscht weltweit zu ChatGPT und Co.?
  • Jenseits des Akronyms –
    Wie wissenschaftliche Bibliotheken DEI
    unter politischem Druck neu verankern
  • Kann Bibliotherapie helfen, die Krisen
    der Gegenwart zu bewältigen?
  • Web-Barrierefreiheit pragmatisch umsetzen – Kleine Schritte mit großer Wirkung
  • Wenn die KI die Nachrichten auswählt, verändert sich die öffentliche Wahrnehmung
  • Zwischen Plattformökonomie und kulturellem Gedächtnis – Hat das physische Medium noch eine Zukunft?
u.v.m.
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Wissenstransfer: Verlorenes Kulturerbe wird zu virtuellem Erinnerungsort

Erfolg im renommierten Leibniz-Wettbewerb: Senat der Leibniz-Gemeinschaft bewilligt Projekt TRANSRAZ. Real nicht wiederherstellbares Weltkulturerbe findet nachhaltigen Eingang in die Breite der Gesellschaft.

Bis zu ihrer fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Nürnberg eine der großen europäischen Metropolen. Ihr historisches Stadtbild galt als Gesamtkunstwerk. In drei Jahren interdisziplinärer Zusammenarbeit hat ein Wissenschaftsnetzwerk unter Leitung von FIZ Karlsruhe eine innovative virtuelle Forschungsumgebung entwickelt, die das Zerstörte wiederbelebt, dokumentiert und visualisiert. Das dabei gewonnene Wissen soll nun erweitert, einer breiten Öffentlichkeit vermittelt und nachhaltig nutzbar werden.

Der Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris am 15. April 2019 hat überdeutlich gemacht, in welchem Ausmaß Objekte des kulturellen Erbes historisch und gesellschaftlich relevant und gleichzeitig höchst verletzlich sind. Eine ähnlich herausragende Rolle für die europäische Kultur wie die Pariser Kathedrale hatte die Nürnberger Altstadt. Mit dem Projekt TRANSRAZ wollen FIZ Karlsruhe und die Universität Greifswald den bereits gemeinsam entwickelten Wissensspeicher, nämlich die virtuelle Forschungsumgebung zum kulturellen Erbe der Stadt Nürnberg, für die Gesellschaft nachhaltig nutzbar machen. Anwendungen im Bereich von Bildungseinrichtungen und Museen sind geplant; und schon jetzt können Hotspots mit Spezialinformationen zu ausgewählten Orten je nach Interesse und unbegrenzt eingerichtet werden. So lassen sich Themenrundgänge entlang der historischen Zeitschichten durch die Stadt und das jeweilige Stadtleben gestalten. Das real nicht wiederherstellbare Weltkulturerbe wird als virtueller Erinnerungsort wiederbelebt. Gleichzeitig erfolgt die systematische, wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation des Zustands vor der Zerstörung. Sie existiert bislang nicht.  

Namhafte Kooperationspartner in der Wissenschaft, im öffentlichen und im kommerziellen Bereich sollen dieses Wissen vermitteln. So will das Stadtarchiv Nürnberg die virtuelle Forschungsumgebung langfristig nutzen und mit eigenen Daten vervollständigen, beispielsweise mit den umfangreichen Informationen (Texte, Bilder, Karten, Tondokumente) aus dem derzeit in Arbeit befindlichen Häuserbuch der Stadt. 

Citizen Science – Bürger als Zielgruppe

Ein weiteres Ziel dieses neuartigen Transferprojekts ist die Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern. Dazu soll das bereits konzipierte Stadtmodell um eine interaktive Beteiligungsplattform erweitert werden. Die Nürnberger Bürger können diese nutzen und mit ihren eigenen Informationen anreichern. Denn häufig haben sie Wissen über ihre Stadtviertel, Häuser und Wohnungen, die der Forschung unbekannt sind. So lässt sich ganz neues Quellenmaterial erschließen – beispielsweise Fotografien aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, auf denen Außenfassaden oder Innenräume vor deren Zerstörung zu sehen sind.

Sabine Brünger-Weilandt, Geschäftsführerin und Direktorin von FIZ Karlsruhe, unterstreicht: „Fundiertes und objektiv nachweisbares Wissen über Vergangenes ist wesentlich zum Verständnis der Gegenwart, zur Einordnung von Andersartigem und zur Toleranz gegenüber Allem, das auf den ersten Blick fremd anmutet. Die Vermittlung dieses Wissens und seiner zu Grunde liegenden Erkenntnisse ist eine zentrale Aufgabe von uns als Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur."

Mit Bezug auf das Leibniz-Wettbewerbsverfahren fährt sie fort: “Ein weiteres Ziel des Leibniz-Wettbewerbs ist die Stimulierung der strategischen Zusammenarbeit mit Hochschulen und die gezielte Förderung hochqualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir gemeinsam mit der Universität Greifswald als Forschungspartner bereits zum zweiten Mal in diesem sehr kompetitiven Verfahren erfolgreich waren. Zudem können wir dem bereits im Vorprojekt engagierten jungen Wissenschaftlerteam nun eine weitere Perspektive bieten.” 

Das Vorgängerprojekt TOPORAZ – Nürnberger Topographie in Raum und Zeit

Ein interdisziplinärer Projektverbund, an dem FIZ Karlsruhe sowie die Universitäten Greifswald, Köln und Darmstadt beteiligt waren, hatte 2015 Neuland betreten. Dreidimensionale digitale Modelle rekonstruierten den Nürnberger Stadtraum rund um den altstädtischen Hauptmarkt in vier Zeitebenen von der Barockzeit bis zur Gegenwart (17.-21. Jahrhundert). Sie wurden mit zahlreichen historischen Quellen und Bildern vernetzt. In drei Jahren wurde so eine virtuelle Forschungsumgebung entwickelt, die neue Perspektiven für die Erforschung der Geschichte und Kultur Nürnbergs im Wandel der Zeit aufzeigt. Sie soll nun neue Einblicke ebenso wie Inspiration zur eigenen Beteiligung für die interessierte Öffentlichkeit ermöglichen. 

www.toporaz.de