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26. April 2026
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  • Vom Datenhype zur Datenkompetenz: Warum Data Literacy zur Kernaufgabe
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  • KI-Erschöpfung und „Vocational Awe“
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  • Aufmerksamkeitskrise oder Designproblem? Was Bibliotheken aus der Debatte über Lesen und Bildschirme lernen können
  • Die Stiftsbibliothek St. Gallen:
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  • Bibliotheken als Räume für Wohlbefinden
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2009 bis 2023

Corona-Pandemie: Studie zum Informationsverhalten in Krisenzeiten

Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim untersucht in einer Studie unser Informationsverhalten in Krisenzeiten. Eine Teilnahme an der Studie ist online möglich. „In der Corona-Pandemie scheinen seriöse Informationsquellen stark nachgefragt zu sein und eher rezipiert zu werden, als fragwürdige und populistische Quellen. Welche Kriterien Menschen an ihre Informationsquellen anlegen, untersuchen wir in unserer Studie“, so Professor Thomas Mandl.

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Thomas Mandl, Dr. Stefan Dreisiebner und Sophie März vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim untersucht in einer Studie das Informationsverhalten in Krisenzeiten.

Eine Teilnahme an der Studie ist weiterhin online möglich:
https://www.uni-hildesheim.de/surveys/limesurvey250/index.php/645942?lang=de
Die Beantwortungsdauer liegt bei etwa 6 Minuten.

Wie informieren Sie sich privat über Corona und welche Quellen nutzen Sie?

Zum Beispiel möchte das Forschungsteam gerne wissen: Wie verändert die Corona-Krise das Informationsverhalten der Menschen? Wie informieren Sie sich privat über Corona und welche Quellen nutzen Sie? Wie intensiv nutzen Sie zum Beispiel die lokale oder überregionale Zeitungen und deren Online-Ausgabe, internationale Quellen, Twitter, Podcasts, öffentliche Informationen von zum Beispiel dem Robert Koch-Institut oder Bundesgesundheitsministerium oder Online-Gespräche mit Freunden für den Konsum von Informationen seit dem Beginn der aktuellen Corona-Krise? Wie wichtig sind Ihnen bei der Wahl der Informationsquellen in der aktuellen Krise Faktoren wie zum Beispiel regionale Themen, glaubwürdige Informationen, verlässliche Hilfen im Alltag, aktuelle Live-Informationen, gute Unterhaltung, persönliche Empfehlungen oder Informationen von offiziellen Quellen?

„Im Kern steht die Hypothese, dass seriöse Informationen in Zeiten der Corona-Pandemie wieder ernst genommen werden“, sagt Professor Thomas Mandl. Der Informationswissenschaftler erforscht unter anderem seit vielen Jahren das Informationsverhalten und befasst sich mit der Frage, wie glaubwürdig und zuverlässig gefundene Informationen im Netz sind.

Die Corona-Pandemie führt zu einem erhöhten Informationsbedarf bei Bürgerinnen und Bürgern. „Dabei scheinen aktuelle und seriöse Informationsquellen stark nachgefragt zu sein und eher rezipiert zu werden als fragwürdige und populistische Quellen“, so Mandl.

Insgesamt gibt es Höchstwerte für fast alle Nachrichten-Angebote, aber seriöse Quellen wie deutschlandfunk.de und auch lokale Sites wie br.de oder ndr.de erhalten weitaus mehr Zugriffe. Die Universität Hildesheim führt die Online-Umfrage durch, um zu untersuchen, inwieweit die Menschen dies auch selbst so wahrnehmen und welche Kriterien sie bei ihren Informationsquellen anlegen. Dazu sollen die Teilnehmer unter anderem bewerten, welche Informationsquellen sie nun mehr nutzen als vorher.

Gleichzeitig scheint aber auch die Verbreitung von Falschnachrichten zuzunehmen und die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor „Health Misinformation“ (https://www.nytimes.com/2020/02/06/health/coronavirus-misinformation-social-media.html). Die Tech-Giganten Facebook, Twitter, Youtube und TikTok geben an, Maßnahmen zum Schutz der Nutzer gegen falsche und gefährliche Meldungen einzuleiten. In Trefferlisten werden seriöse Organisationen verstärkt an oberen Positionen oder Info-Panels mit geprüften Informationen gezeigt (https://firstdraftnews.org/latest/how-social-media-platforms-are-responding-to-the-coronavirus-infodemic/).

Welche Rolle spielen Fake News und wie wirken diese?

Das Hildesheimer Forschungsteam analysiert auch, welche Rolle Fake News spielen und wie diese wirken. Alle Ergebnisse sollen in Bezug zum Kenntnisstand und demographischen Faktoren ausgewertet werden. Die wichtigsten Erkenntnisse werden dann in Interviews zum Informationsverhalten weiter vertieft und mit Theorien abgeglichen. Die Studie läuft seit 14. April 2020, das Forschungsteam plant die Datenerhebung bis mindestens 5. Mai.

Insgesamt ist der Internet-Traffic in Deutschland stark gestiegen. Die Nutzung beispielsweise von Deutschlandfunk.de stieg im März 2020 sehr stark an, was nach Einschätzung des Forschungsteams belegt, dass Internetnutzer im März 2020 seriöse Informationen suchen.

Nutzer suchen nicht generell in der Google-Suchmaschine, sondern greifen viel mehr direkt auf bekannte Quellen, vor allem Nachrichten, zu. Wenn Nutzer über die Google-Suchmaschine nutzen, so sind häufige Anfragen zum Beispiel: „Wann soll man bei Coronavirus-Symptomen zum Arzt?“, „Wie lange dauert die Kontaktsperre?“, „Wann beginnt die Schule wieder?“ und „Wann endet Coronavirus?“. (siehe Grafiken im Anhang) Die Nutzung von Wikipedia.de sinkt im März 2020 stark, dies sei ein Beleg, dass Nutzer im März sehr aktuelle Informationen suchen.

In der Vergangenheit hat das Forschungsteam aus Hildesheim gemeinsam mit indischen Kollegen bereits Twitter-Daten untersucht, die zum Beispiel während des Erdbebens in Nepal gesammelt worden waren. „Information und ihre Bedeutung in Krisen sind für uns also nicht ganz neu“, sagt Thomas Mandl. Weitere Informationen zu dieser Forschung finden Sie hier (Publikation „Information Retrieval from Microblogs during Disasters“ von Noushin Fadaei, Chanjong Im, Sandip Modha und Thomas Mandl: http://ceur-ws.org/Vol-2266/T1-3.pdf).