29. November 2020

Frankfurter Buchmesse:
„Das Buch ist krisenfest und unabdingbarer Teil unserer Gesellschaft“

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2020

Selbstbewusst und engagiert geht die deutsche Buchbranche in einem herausfordernden Jahr in die Frankfurter Buchmesse: „Das Buch ist krisenfest und unabdingbarer Teil unserer Gesellschaft. Es liefert verlässliche Fakten, greift drängende Fragen auf und bietet Inspiration. Bücher und die Buchbranche können die Gesellschaft maßgeblich unterstützen, gerade jetzt in der Krise und beim Weg aus ihr heraus“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Dienstag bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.

Die Corona-Pandemie habe die Buchbranche wirtschaftlich getroffen. Verlage und Buchhandlungen hätten sich aber resilient, digital und kundenorientiert gezeigt. Verlage und Autor*innen verlegten Lesungen ins Netz, Buchhandlungen verkauften Bücher verstärkt online und bauten Lieferservices aus. Mit Erfolg: Der Buchhandel konnte seinen Umsatzrückstand aus dem Lockdown kontinuierlich reduzieren. Der Umsatz in den zentralen Vertriebswegen liegt mit Stand Ende September bei minus 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mitte April, bei Wiedereröffnung der Läden, lag er noch bei minus 14,9 Prozent.

Zudem sei die Nachfrage nach Büchern ungebrochen: Nach einer neuen Untersuchung der GfK greift jede*r Fünfte (21 Prozent) seit Ausbruch der Corona-Pandemie häufiger zum Buch. Die größten Zuwächse zeigen sich bei den jungen Leser*innen: In der Altersgruppe 10 bis 19 liest ein Drittel (32 Prozent) häufiger, bei den 20- bis 29-Jährigen ein Viertel (26 Prozent). Auch das Engagement der Buchhandlungen trage Früchte: Laut GfK haben 17 Prozent der Deutschen während der Corona-Pandemie erstmals von der Möglichkeit erfahren, Bücher bei ihrer Buchhandlung online oder per Telefon zu bestellen – das sind 11,5 Millionen Menschen. Rund eine Million hat diese Möglichkeit erstmals genutzt.

Es gelte nun, als Buchbranche weiter in die Zukunft zu investieren. Schmidt-Friderichs: „Die Medienkonkurrenz schläft nicht, und die Art, wie Menschen leben, kaufen und lesen, verändert sich. Buchhandlungen und Verlage arbeiten an neuen Wegen, wie sie heute und in Zukunft für Bücher begeistern können. Dazu sollten wir die durch Corona gestärkten digitalen Skills mit unseren klassischen Kompetenzen verbinden. Zudem werden wir weiter an der Sichtbarkeit von Büchern arbeiten und daran, dass Kinder und Jugendliche umfassend Lesen lernen.“

Die Buchbranche könne die Gesellschaft auf ihrem Weg aus der Krise heraus begleiten: „Wie bewältigen wir die Pandemie? Wie sieht das Danach aus? Wie begegnen wir der Klimakatastrophe, sozialer Ungerechtigkeit oder der Gefährdung unserer Demokratien im Lichte der Pandemie? Bücher – und damit die Menschen, die sie schreiben und verlegen, übersetzen, verkaufen und vermitteln – übernehmen bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen eine wichtige Rolle“, sagte Karin Schmidt-Friderichs.

Um ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Auftrag in einem freien Markt nachkommen zu können, benötige die Branche aber sichere Rahmenbedingungen. Schmidt-Friderichs: „Bei Verlagen herrscht akuter Handlungsbedarf: Seit nunmehr vier Jahren warten sie darauf, wieder an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften beteiligt zu werden. Trotz vielfältiger Versprechen der Bundesregierung verzögert sich die gesetzliche Regelung kontinuierlich.“

Der Börsenverein und seine Mitglieder stehen zudem für die Freiheit des Wortes ein. „Einschränkungen der Meinungsfreiheit wie in China, Belarus, Ägypten, der Türkei oder Ungarn verurteilen wir vehement. Wir fordern die politisch Verantwortlichen in Deutschland und der EU auf, sich konsequent für die Wahrung von Freiheitsrechten einzusetzen“, so Karin Schmidt-Friderichs.

Zahlen

Die Zahlen der GfK zum Leseverhalten sind abrufbar unter www.boersenverein.de/pressemappen