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27. März 2026
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In der Ausgabe 02/2026 (März 2026) lesen Sie u.a.:

  • Seniorinnen und Senioren entdecken soziale Netzwerke – Chancen und Aufgaben für Bibliotheken
  • Chatbots im Auskunftsdienst wissenschaftlicher Bibliotheken
  • Bibliotheken unter Druck – Was der Hamburger Sparkurs über den Zustand
    des Wissenschaftssystems verrät
  • Die „Big Three“ der Wissenschaftsinformation – Web of Science, Scopus und OpenAlex im systematischen Vergleich
  • Der Strukturwandel im italienischen Buchmarkt – Lehren für Europa,
    die Leseförderung, den Buchhandel
    und Künstliche Intelligenz
  • GenAI in der Hochschulbildung –
    Wer forscht weltweit zu ChatGPT und Co.?
  • Jenseits des Akronyms –
    Wie wissenschaftliche Bibliotheken DEI
    unter politischem Druck neu verankern
  • Kann Bibliotherapie helfen, die Krisen
    der Gegenwart zu bewältigen?
  • Web-Barrierefreiheit pragmatisch umsetzen – Kleine Schritte mit großer Wirkung
  • Wenn die KI die Nachrichten auswählt, verändert sich die öffentliche Wahrnehmung
  • Zwischen Plattformökonomie und kulturellem Gedächtnis – Hat das physische Medium noch eine Zukunft?
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Hochkarätiger Zugang für die „Schütz-Sammlung”
der Universitätsbibliothek Kassel

Pünktlich zum Schütz-Jubiläumsjahr (anlässlich des 350. Todestages von Heinrich Schütz) gelang der Universitätsbibliothek Kassel die Erwerbung eines umfangreichen und reich illuminierten Studentenstammbuchs aus dem Besitz der Komponistenbruders Georg Schütz (1587-1637). Der Ankauf aus Privathand kam mit Förderung durch die Hessische Kulturstiftung, die Freunde und Förderer der Bibliothek, die Landgraf-Moritz-Stiftung sowie einen privaten Sponsor zustande.

Signatur: UB/LMB Kassel, 8° Ms. hist. 29. 156r
Ausgelassen Feiernde Universitätsbibliothek Kassel

Das jüngst erworbene Stamm­buch, das Einträge aus der Zeit zwischen 1609 und 1613 enthält, führt unmittelbar hinein in das engste persönliche Umfeld der jugendlichen und einander lebenslang besonders nahestehenden Brüder Georg und Heinrich Schütz während ihrer Kasseler und Marburger Jahre. „Mit dem Ankauf des ‚Schütz-Stammbuchs‘ für Kassel schließt sich also ein jahrhundertealter Kreis“, so die Leitende Direktorin der Universitätsbibliothek Kassel Claudia Martin-Konle.

Im „Album amicorum“ des Georg Schütz, bzw. in seinen 88 Einträgen, spiegelt sich nicht nur jener Personenkreis, der zusammen mit den beiden Schütz-Brüdern die Kasseler Hofschule des Landgrafen Moritz des Gelehrten, das ‚Mauritianum‘, besucht hat oder dort lehrte. In dem mit nahezu 40 Wappenabbildungen und ansprechenden farbigen Illustrationen geschmückten Band finden sich außerdem Einträge von Professoren und Kommilitonen, mit denen die beiden Jurastudenten Georg und Heinrich Schütz an der Landesuniversität Marburg in engeren Kontakt gekommen waren. Daneben und darüber hinaus bildet das Stammbuch jene akademischen Kreise in Jena und Leipzig ab, in denen sich der spätere Dr. iur. Georg Schütz während seines weiteren Studiums bewegt hat.

Das überragende musikalische Talent von Heinrich Schütz (1585-1672), des bedeutendsten deutschen Komponisten des Frühbarocks, war schon früh von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel entdeckt und über viele Jahre hinweg intensiv gefördert worden. Lebenslang blieb Schütz daher dem Landgrafen und dem Kasseler Hof eng verbunden und übersandte, auch nachdem er längst zum Hofkapellmeister in Dresden aufgestiegen war, Autographen seiner Kompositionen nach Kassel. Diese zählen heute zu den wertvollsten Sammlungsteilen des landesbibliothekarischen Teils der UB/LMB Kassel und stellen die weltweit größte Sammlung von Schütz-Autographen und zeitgenössischen Abschriften seiner Werke dar. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir unsere ‚Schütz-Sammlung‘ nun um ein so wunderbares Objekt aus dem engsten familiären Umkreis des Komponisten erweitern konnten“, bekennt Dr. Brigitte Pfeil, Leiterin der Abteilung Landesbibliothek und der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek.

Soweit bekannt, befand sich das ‚Album amicorum‘ seit langem im Besitz der bekannten Leipziger Buchhändlerfamilie Weigel, die seit dem 18. Jahrhundert nicht nur ein bedeutendes Buchantiquariat und Auktionshaus betrieb, sondern im 19. Jahrhundert auch selbst eine qualitätsvolle Sammlung alter Drucke und Handschriften angelegt hatte. Der ursprüngliche Besitzer der Handschrift, Georg Schütz, verstarb 1637 in Leipzig, wo er 1619 die Buchhändlerstochter Anna Grosse geheiratet und sich beruflich und gesellschaftlich etabliert hatte. Der Familienzweig des Sohnes Christoph Georg blieb während des 18. Jahrhunderts in Leipzig verwurzelt. Es erscheint daher recht wahrscheinlich, dass das Stammbuch über den lokalen Buchmarkt oder andere lokale Kontakte bereits im 19. Jahrhundert in die Sammlung Weigel gelangt sein könnte.

Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, ergänzt: „Das Stammbuch des Georg Schütz ist ein ‚alter Bekannter‘ in der Kasseler Universitätsbibliothek, den man schon lange konservatorisch betreut hat. Es ist also ein besonderes Glück, den Sammlungsschwerpunkt zu Heinrich Schütz im 350. Todesjahr des berühmten Komponisten mit einem Ankauf aus dem Schriftgut seines altersnächsten Bruders so passgenau bereichern zu können. Die Forschung zum Stammbuch Georg Schütz vermag den Forschungskreis zur Familie zu vertiefen und sie wird zugleich die Geschichte und intellektuellen Zirkel der Universitäten Marburg und Kassel, Jena und Leipzig fokussieren.“

Die Handschrift ist komplett digitalisiert und über das Repositorium ORKA der Universitätsbibliothek Kassel kostenfrei zugänglich.

https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/metadata/1668762410566/1/-/