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23. Oktober 2026
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In der Ausgabe 08/2026 (Oktober 2026) lesen Sie u.a.:

  • Mehrheit der Jugendlichen befürwortet Social-Media-Verbot
  • Zwischen Überforderung und Verantwortung:
    Was Eltern über die digitale Welt ihrer Kinder wissen und was nicht
  • Der Informationsschock und
    die Zukunft des Bibliotheksberufs
  • Tim Coates analysiert 15 Jahre
    IMLS-Daten zu US-amerikanischen öffentlichen Bibliotheken
  • Was der Clarivate-Bericht 2026 über
    den KI-Stand in Bibliotheken verrät
  • Wie öffentliche Bibliotheken in den USA
    und Kanada mit KI-Policies umgehen
  • Schadet das digitale Ausleihen von Bibliotheken dem Buchmarkt?
  • PEN America dokumentiert eskalierende Zensur in US-amerikanischen
    öffentlichen Bibliotheken
  • Wie sich das Publikationsverhalten wissenschaftlicher Bibliothekar:innen wandelt
  • US-Hochschulbibliotheken fördern zunehmend das Wohlbefinden
    von Studierenden
  • Klage gegen Elsevier auf Rückzug einer Studie geht in Richtung Gerichtsverhandlung
  • Unabhängige Buchläden in Hongkong
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek dokumentiert NS-Raubgut

Vom November 2008 bis zum Oktober 2010 suchte die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in ihren Buchbeständen nach NS-Raubgut. Die Ergebnisse dieser Suche sind jetzt im Molanus-Lesesaal der Bibliothek in einem Sonderregal aufgestellt und im Internet in einem Online-Katalog »NS-Raubgut« dokumentiert.  

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen aus rassistischen, politischen, weltanschaulichen und religiösen Gründen verfolgt, ausgeplündert und vertrieben. Sie wurden ihres Hab und Gutes und oft auch ihres Lebens beraubt. Kulturgut, das zwischen 1933 und 1945 den Verfolgten des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurde, bezeichnet man als NS-Raubgut. Seit Dezember 1998 ist die internationale Öffentlichkeit aufgerufen, nach diesem NS-Raubgut zu suchen, es zu identifizieren und – soweit möglich – an die Betroffenen, deren Nachfahren oder Erben zurückzugeben.  

Vom November 2008 bis zum Oktober 2010 suchte die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in ihren Buchbeständen nach NS-Raubgut. Das Projekt war möglich durch die Förderung der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eingerichteten Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung am Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Ergebnisse dieser Suche sind jetzt im Molanus-Lesesaal der Bibliothek in einem Sonderregal aufgestellt. Das »NS-Raubgut« ist über den Katalog der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek unter folgender Adresse recherchierbar: http://opac.tib.uni-hannover.de/DB=3.1/LNG=DU/  

Es sind keine spektakulären Funde, die zu sehen und zu recherchieren sind, aber es sind Bücher, die Geschichten über Menschen und deren besondere Schicksale erzählen. Sie zeugen beispielsweise vom Leben der Aenne Löwenthal, 1898 in Lage, Kreis Detmold, geboren, 1942 aus Hannover nach Warschau deportiert. Sie erinnern an die Schüler Jean Wittmann aus Straßburg und Danielle Scheidecker aus Thann. Sie belegen die Beschlagnahmung und Verteilung »schädlichen und unerwünschten Schrifttums« – und sie berichten von der Bedenkenlosigkeit, mit der deutsche Bibliothekare in besetzten Gebieten Bücher übernahmen, die ihnen nicht gehörten.  

Im Zuge des Projekts wurden 14 Zugangsjournale der Jahre 1933 bis 1947 mit durchschnittlich je 2.000 bis 3.000 Einträgen auf kritische Hinweise überprüft. 2.400 Buchtitel und knapp 1.700 Einlieferer, darunter Amtspersonen, Buchhändler, Verleger und Verfasser wurden in einer Arbeitsdatenbank erfasst, über 600 Bücher in Augenschein genommen. Etwa 300 Titel wurden letztlich als kritisch identifiziert. Diese relativ geringe Anzahl spricht dafür, dass sich die Vormals Königliche und Provinzialbibliothek in Hannover im nationalsozialistischen Bücherraub nicht besonders exponierte. Sie bestätigt aber auch, dass es keine öffentliche Einrichtung gab, die sich dieser Praktiken entzog.  

Mit Abschluss des Projektes soll die Auseinandersetzung mit dem Thema NS-Raubgut nicht abgeschlossen sein. Es bleibt die Hoffnung, dass das eine oder andere Buch noch zurückgegeben werden kann. Und es bleibt die Verpflichtung, die Erinnerung an das Geschehene zu bewahren und weiterzugeben.