13. April 2024
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Essentials

In der Ausgabe 2/2024 (März 2024) lesen Sie u.a.:

  • „Need to have”
    statt „nice to have”.
    Die Evolution
    der Daten in der Forschungsliteratur
  • Open-Access-Publikationen: Schlüssel zu höheren Zitationsraten
  • Gen Z und Millennials lieben
    digitale Medien UND Bibliotheken
  • Verliert Google seinen Kompass?
    Durch SEO-Spam werden
    Suchmaschinen zum Bingospiel
  • Die Renaissance des gedruckten Buches: Warum physische Bücher in der digitalen Welt relevant bleiben
  • KI-Halluzinationen: Ein Verwirrspiel
  • Die Technologie-Trends des Jahres 2024
  • KI-Policies und Bibliotheken: Ein globaler Überblick und Handlungsempfehlungen
  • Warum Bücherklauen aus der Mode gekommen ist
u.v.m.
  fachbuchjournal
Ausgabe 6 / 2023

BIOGRAFIEN
Vergessene Frauen werden sichtbar

FOTOGRAFIE
„In Lothars Bücherwelt walten magische Kräfte.“
Glamour Collection, Lothar Schirmer, Katalog einer Sammlung

WISSENSCHAFTSGESCHICHTE
Hingabe an die Sache des Wissens

MUSIK
Klaus Pringsheim aus Tokyo
Ein Wanderer zwischen den Welten

MAKE METAL SMALL AGAIN
20 Jahre Malmzeit

ASTRONOMIE
Sonne, Mond, Sterne

LANDESKUNDE
Vietnam – der aufsteigende Drache

MEDIZIN | FOTOGRAFIE
„Und ja, mein einziger Bezugspunkt
bin ich jetzt selbst“

RECHT
Stiftungsrecht und Steuerrecht I Verfassungsrecht I Medizinrecht I Strafprozessrecht

uvm

Nachlass Friedrich Lautenschlager

Kürzlich erhielt die Badische Landesbibliothek aus Familienbesitz einen Teilnachlass ihres früheren Direktors Friedrich Lautenschlager (1890–1955). Lautenschlager wurde 1936 die Leitung der Bibliothek in Karlsruhe übertragen, eine damals bereits ungewöhnliche Ernennung allein auf-grund fachlicher Qualifikation. Er kam aus Heidelberg, wo er seit bereits zwei Jahrzehnten die Bibliographie der badischen Geschichte bearbeitete, die noch heute unter seinem Namen als „der Lautenschlager“ bestens bekannt ist.

Friedrich Lautenschlager.
Foto aus dem Reisepass von April 1953

Am Anfang seiner Karlsruher Dienstzeit standen Erlass und Durchsetzung eines modernen, auch Karten, Bild- und Tonwerke umfassenden Pflicht­exemplar­gesetzes für Baden. Hinzu kamen die Sekretierung der verfemten Literatur gemäß der Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums der Reichs­schrifttumskammer, die Enteignung und Verstaatlichung des Buchbesitzes aus rassischen oder politischen Gründen verfolgter Personen und mit Kriegsbeginn auch die Auslagerung der Handschriften und Frühdrucke an verschiedene Bergungsorte. Im September 1942 wurden die Bibliothek, ihre Buchbestände, ihre Verwaltungsunterlagen, ihr Inventar – ihr gesamter Besitz in einer einzigen Bombennacht komplett zerstört. Lautenschlager selbst traf um 3 Uhr nachts an der brennenden Bibliothek ein und konnte nur noch zusehen, wie der Feuersturm Reste verbrannter Bücher in die Luft wirbelte.

Umgehend startete Lautenschlager mit Unterstützung der zuständigen Reichsbehörden den Wiederaufbau seiner Bibliothek. Nach der Besetzung Badens durch französische Truppen wurde er am 8. Mai 1945 seines Amtes enthoben, die amerikanische Militärregierung bestätigte diese Entlassung im August 1945. Ab Februar 1946 durfte er mit ihrer Genehmigung seine Arbeit an der Landesbibliographie im Generallandesarchiv in Karlsruhe fortsetzen. Im Spruchkammerver-fahren 1947 wurde er als Mitläufer eingestuft und erreichte dadurch im April 1948 seine zu-nächst kommissarische, dann endgültige Wiedereinsetzung als Direktor der Badischen Landes-bibliothek. Bis zu seinem Tod im aktiven Dienst bemühte er sich vor allem darum, die Kriegsverluste auszugleichen und den Nutzerinnen und Nutzern wieder einen leistungsfähigen Buchbestand ebenso wie eine provisorische Nutzungsmöglichkeit in der mehr als notdürftigen Behelfs-unterkunft im Generallandesarchiv anzubieten. Lautenschlagers Nachlass enthält vor allem Materialien aus der Zeit des Kriegsendes, seine ausführlichen Jahresberichte 1942/43 und 1943/44, sein Memorandum zum Wiederaufbau der Badischen Landesbibliothek vom Sommer 1945 sowie Schriftwechsel zu seiner Amtsenthebung, seinem Spruchkammerverfahren und seiner Wiedereinsetzung als Direktor der Bibliothek. Hinzu kommen Vorlesungsmitschriften aus seiner Heidelberger und Berliner Studienzeit 1910–1912, Ausweispapiere und andere persönliche Unterlagen, außerdem Kondolenzschreiben und Zeitungen.

Der Nachlass ist bereits katalogisiert. Das Findbuch ist online. Einige der wichtigsten Dokumente stehen digital in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek zur Verfügung.

Die Badische Landesbibliothek dankt den Erben herzlich für dieses wichtige Quellenmaterial zu ihrer eigenen Geschichte.

Näheres in einem aktuellen Beitrag zum BLBlog unter https://www.blb-karlsruhe.de/blblog/2023-08-15-nachlass-friedrich-lautenschlager
Autorin: Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen

Findbuch zum Nachlass: https://kalliope-verbund.info/DE-611-BF-93675
Autor: Ralf Gnosa

Digitalisierte Materialien aus dem Nachlass:
https://digital.blb-karlsruhe.de/7746628