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5. November 2026
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In der Ausgabe 08/2026 (Oktober 2026) lesen Sie u.a.:

  • Mehrheit der Jugendlichen befürwortet Social-Media-Verbot
  • Zwischen Überforderung und Verantwortung:
    Was Eltern über die digitale Welt ihrer Kinder wissen und was nicht
  • Der Informationsschock und
    die Zukunft des Bibliotheksberufs
  • Tim Coates analysiert 15 Jahre
    IMLS-Daten zu US-amerikanischen öffentlichen Bibliotheken
  • Was der Clarivate-Bericht 2026 über
    den KI-Stand in Bibliotheken verrät
  • Wie öffentliche Bibliotheken in den USA
    und Kanada mit KI-Policies umgehen
  • Schadet das digitale Ausleihen von Bibliotheken dem Buchmarkt?
  • PEN America dokumentiert eskalierende Zensur in US-amerikanischen
    öffentlichen Bibliotheken
  • Wie sich das Publikationsverhalten wissenschaftlicher Bibliothekar:innen wandelt
  • US-Hochschulbibliotheken fördern zunehmend das Wohlbefinden
    von Studierenden
  • Klage gegen Elsevier auf Rückzug einer Studie geht in Richtung Gerichtsverhandlung
  • Unabhängige Buchläden in Hongkong
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Wissenschaftsfreiheit braucht Infrastruktur:
ZB MED ist „Bibliothek des Jahres 2026“

Aus einer klassischen medizinischen Bibliothek ist eine moderne digitale Infrastruktur für die Lebenswissenschaften geworden: Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) überreichte ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften am 29. Oktober 2026 in Köln den mit 20.000 Euro dotierten Preis „Bibliothek des Jahres 2026“. Laudator Dr. Heinz-Wilhelm Esser würdigte, dass ZB MED zeigt, was Bibliotheken in Zukunft sein können: eine Infrastruktur, die die Nutzenden begleitet – überall dort, wo sie lernen, forschen und Medizin machen.

Grußworte aus Stadt, Land und Universität

© ZB MED / Robert Hausmann
Der dbv überreicht ZB MED die Auszeichnung als Bibliothek des Jahres 2026

Rund 150 Gäste waren der Ein­ladung zur Preisverleihung am frühen Nachmittag des 29. Oktober gefolgt. Franziska Fischer, Kauf­männische Geschäftsführerin von ZB MED, begrüßte die Anwesen­den. Durch den Festakt führte die Moderatorin Ninia LaGrande, die auch einen eigens zu diesem Anlass verfassten Poetry Slam vortrug. Darin bezeichnete sie „Bibliotheken als den Robin Hood der modernen Medienlandschaft“. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Jazzchor der Universität zu Köln. Sein Auftritt gab dem Festakt einen leichtfüßigen Rahmen – und das Publikum dankte es dem Chor mit anhaltendem Applaus.

Grußworte sprachen Bürgermeisterin Derya Karadag, erste Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Prof. Dr. Andrea Kienle, Leiterin der Abteilung Forschung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, und Prof. Dr. Carien Niessen, Prorektorin für Forschung der Universität zu Köln.

Podium: Braucht Wissenschaft heute noch Bibliotheken?

Vor der Preisverleihung diskutierte ein Podium, was wissenschaftliche Bibliotheken für Forschung und Gesellschaft leisten. Unter der Moderation der dbv-Bundesvorsitzenden Antje Theise stellten sich Prof. Dr. Axel Kramer (GMS Hygiene and Infection Control / Universitätsmedizin Greifswald), Prof. Dr. Juliane Fluck, stellvertretende Wissen­schaft­liche Leiterin, und Dr. Miriam Albers, kommissarische Bibliotheksleiterin von ZB MED, der bewusst zugespitzten Frage: Braucht Wissenschaft heute überhaupt noch Bibliotheken?

Das Podium war sich einig: Gerade weil Informationen heute scheinbar überall verfügbar sind und die KI scheinbar auf alles eine Antwort hat, braucht es Orte, die für verlässliches, überprüfbares Wissen und unabhängigen, freien Zugang einstehen. Wissenschaftliche Bibliotheken sind diese Orte. Sie bieten Literatur, Forschungsdaten und Software und forschen gemeinsam mit der Wissenschaft.

Laudatio: „Heute muss die Information zum Menschen kommen“

In seiner Laudatio beschrieb Dr. Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als Doc Esser aus dem Gesundheitsformat des WDR, ZB MED als „digitale Informationsinfrastruktur für die Lebenswissenschaften“. Medizinisches Wissen verändere sich so schnell, dass niemand es mehr im Kopf behalten könne; entscheidend seien deshalb das Finden des richtigen Wissens, Vertrauen in Daten und Literatur sowie der dauerhafte Zugriff. Er stellte fest: „Früher musste der Mensch zur Information kommen. Heute muss die Information zum Menschen kommen.“

ZB MED habe nicht versucht, „die Bibliothek von gestern irgendwie in die digitale Welt hinüberzuretten“, so Esser, sondern habe neu gedacht, was eine Bibliothek im 21. Jahrhundert leisten muss. Als Beispiele nannte er die Suchmaschine LIVIVO, das Engagement im Forschungsdatenmanagement und in der Nationalen Forschungs­dateninfrastruktur (NFDI). Außerdem setze sich ZB MED bereits seit 2003 – unter anderem mit dem Portal German Medical Science – für Open Access ein. Mit Blick auf digitale Souveränität verwies er auf OLSPub, eine offene Ergänzung bestehender Publikations- und Recherche-Infrastrukturen. Er betonte, dass Internationalität am besten auf Augenhöhe funktioniere.

Preisverleihung und Dank

Dr. Frank Mentrup, Präsident des dbv, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe und ebenfalls Mediziner, überreichte den Preis. Die Jury würdigt damit vor allem das Engagement von ZB MED für Open Science und digitale Souveränität in der Infor­mationsversorgung sowie die Pionierrolle im Forschungsdatenmanagement, unter anderem in den Netzwerken der NFDI.

Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftlicher Direktor von ZB MED, dankte zum Abschluss der offiziellen Feier dem dbv und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Sein besonderer Dank galt den Mitarbeitenden von ZB MED, die den Wandel und die digitale Transformation des Hauses tragen und mit ihrem Engagement die Werte der offenen Wissenschaft in der Medizin stärken.

Mit einem informellen Get-together, bei dem sich Gäste und Team austauschten, klang der Nachmittag aus.

www.zbmed.de