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17. Juni 2026
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In der Ausgabe 04/2026 (Mai 2026) lesen Sie u.a.:

  • Wie verlässlich sind Metadaten für Forschungsdaten wirklich?
  • Erfundene Quellen – wie KI-Zitationen die Wissenschaft unter Druck setzen
  • Zwischen Bildschirmzeit, Stress und Lernverlust
  • Warum Bibliotheken im Zeitalter von KI wichtiger werden und mit einem Vertrauensparadox zu kämpfen haben
  • Schweden setzt in Schulen wieder auf Bücher
  • Warum KI-Kompetenz mehr sein muss als Toolwissen
  • Wie stark KI-Texte das Netz schon prägen
  • Open Access bringt Vorteile, aber nicht in jedem Fach auf die gleiche Weise
  • Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten
  • Warum E-Books in US-Schulen zur Kostenfrage werden
u.v.m.
  fachbuchjournal
2009 bis 2023

Fake News und verbale Ausfälligkeiten

Bibliotheken stellen sich als Informationsvermittler gegen Spaltung der Gesellschaft

7. Bibliothekskongress gibt wichtige Impulse für die Zukunft /
Bibliotheken in der digitalen Welt unverzichtbar und diskursfördernd

Die Gesellschaft wandelt sich rasant. Bibliotheken begegnen dieser Dynamik mit innovativen Konzepten für Medienzugang und Teilhabe. So lautet das positive Fazit mit dem der 7. Bibliothekskongress in Leipzig heute zu Ende ging. Vier Tage lang hatten sich mehr als 4.000 Teilnehmer von öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken im Congress Center Leipzig getroffen, um gemeinsam das Motto „Bibliotheken verändern“ intensiv zu diskutieren und Lösungsansätze konsequent auf den Weg zu bringen. Dabei stand die Positionierung als sogenannter Dritter Ort – als Schnittstelle für Wissenserwerb und Möglichkeit zur Teilhabe in der modernen Gesellschaft – genauso auf der Tagesordnung wie Fragen rund um die Digitalisierung.

„Der Bibliothekskongress hat sprichwörtlich ein neues Kapital in der Zukunft der Bibliotheken aufgeschlagen. Wir haben die digitale Aufbereitung von Forschungsdaten und somit Themen wie Open Access, Open Data oder Open Science intensiv beleuchtet. Zudem haben wir eruiert, wie Blockchain-Technologien unsere Arbeit verändern werden“, lobt Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident des BID den hohen Stellenwert der Veranstaltung. Er betont: „Mit unserem klaren Fokus auf die Weiterentwicklung von Bibliotheken als Kommunikations-, Interaktions- und Erlebnisräume schaffen wir attraktive Angebote für die Alphabetisierung. Mit Blick auf die aktuellen technischen Entwicklungen kommt die digitale Alphabetisierung – also der Zugang sowie Kenntnisse über die sinnhafte Nutzung der digitalen Welt – als zusätzliche Aufgabe für Bibliotheken hinzu. Dem stellen wir uns aktiv, um als Ermöglicher für gesellschaftliche Teilhabe Verantwortung zu übernehmen.

Partnerland Niederlande: Royales Engagement für Leseförderung

Zahlreiche Anregungen dafür gab es auch durch das Gastland Niederlande. Denn mit der Etablierung der Bibliotheken als Dritter Ort nehmen die Niederlande international eine Vorreiterrolle ein. Dies zeigte die niederländische Prinzessin Petra Laurentien Brinkhorst, die sich zugleich als ehrenamtliche UNESCO-Botschafterin für Alphabetisierung engagiert, deutlich. Die Prinzessin erläuterte beispielsweise die in den niederländischen Bibliotheken eingeführten Sprachhäuser. In diesen wird die Alphabetisierung sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch von Migranten kontinuierlich gefördert. Zudem können die Bürger dank e-Government in den Bibliotheken zahlreiche Verwaltungsgänge komfortabel realisieren.

Bibliotheken für bessere Diskussionskultur und gegen Fake News

Um die richtige Umsetzung ging es auch in den mehr als 260 Vorträgen innerhalb der Plenarpanels. Hier richteten die Vertreter der Bibliotheken nicht nur den Blick auf die eigene Branche, sondern nutzten die Kompetenzen externer Profis, um den eigenen Horizont zu erweitern. Besonderes Interesse erfuhr dabei der Vortrag der renommierten niederländischen Architektin Francine Houben, die für zahlreiche Bibliotheksbauten in aller Welt verantwortlich zeichnet und aktuell bei der Sanierung der New York Public Library federführend ist. Die bereits mehrfach ausgezeichnete Architektin besitzt große Expertise bei der Gestaltung von Bibliotheken als Dritte Orte und stellte zugleich ihre Initiative „Eye opener“ vor. Diese soll Entscheidern die „Augen öffnen“, um Innovationen von Bibliotheken konsequent voranzutreiben.

Gerade mit Hinblick auf die immer häufigeren unsachlichen und emotional aufgeladenen Debatten in der Öffentlichkeit können Bibliotheken eine wichtige Schnittstelle für respektvollen Meinungsaustausch werden. Dr. Lorenzen: „Immer häufiger werden extreme Meinungen ohne sachliche Argumente ausgetauscht und die Gesellschaft auf diese Weise in zwei Lager getrennt. Als Bibliotheken wollen wir uns dem verstärkt entgegenstellen. Wir brauchen neue Ideen für Inhalte und Veranstaltungen. Auf dem Bibliothekskongress gab es zahlreiche Impulse dafür. Jetzt gilt es diese in naher Zukunft umzusetzen.“

Ein neues Denken und strukturierte Aktivitäten braucht es auch beim Thema Fake News. Da waren sich die Teilnehmer nach den vier Veranstaltungstagen einig. Denn immer häufiger werden gezielt falsche Informationen über alle Kommunikationskanäle gestreut, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen oder um anders denkende Menschen zu diskreditieren. Porträtfotos mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, die vielfach über soziale Netzwerke verbreitet werden, sind dabei nur die Spitze des Eisberges. In ihrer Rolle als Informationsvermittler müssen die Bibliotheken dem entgegentreten und immer mehr Menschen dazu befähigen, Fake News von tatsächlichen Nachrichten zu unterscheiden. Anregungen für entsprechende Formate für die Arbeit vor Ort – insbesondere für die Jugend – gab es dazu in Leipzig zur Genüge.

Positives Fazit und nächster Termin

Spannende Diskussionen, gewinnbringende Plenarpanels, ein sechsprozentiges Teilnehmerplus und eine ausgebuchte Fachausstellung mit rund 150 Ausstellern machten den 7. Bibliothekskongress zu einer gelungenen Veranstaltung. Die nächste Bibliothekskongress in Leipzig findet 2022 statt und wird wieder eng mit der Leipziger Buchmesse verankert sein.