23. Mai 2019

b.i.t.online   1 / 2019
Fachbeiträge

They Have a Dream –
Wissenschaftskommunikation als Blockchain

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler propagieren die demokratische dezentrale
Selbstorganisation der globalen Wissenschaftskommunikation als Blockchain. Bericht über die
„1st international Conference on Blockchain for Science, Research and Knowledge Creation”,
Berlin, 5. und 6. November 2018.

Vera Münch
Sie wollen die Wissenschaftskommunikation und ihr Publikations-
wesen revolutionieren. Der Wissensaustausch soll ohne Barrieren fließen. Forschende sollen ihre Datensammlungen, Zwischen-
ergebnisse und Fragen von Beginn des Forschungsprozesses an urheberrechtssicher direkt publizieren und diskutieren können; auch Fehlversuche und negative Ergebnisse.
      Sie haben ganz viel Enthusiasmus, frische Ideen und mit Blockchain ein neuartiges Datenverarbeitungskonzept, das mit dem bestehenden Internet als Transportfundament den weltweiten Datenverkehr unabhängig von zentralen Unternehmensplattformen möglich macht (zumindest technisch).
      Dieser kryptogesicherten Blockdatenverarbeitung mit verteilten
Transaktionsregistern (sorry, es geht nicht kürzer) schreiben sie das Potential zu, in einem autonom geführten Netzwerk, in dem alle Teilnehmenden gleichberechtigt sind und miteinander agieren können, der Wissenschaft die Hoheit über ihren weltweiten Informationsaustausch geben zu können.
      Die Rede ist von der „Blockchain One Community”, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Ländern, die sich für eine „Blockchain for Science” engagieren.
      Die Kühnsten unter ihnen streben eine weltweite Wissenschaftskommunikation in demokratischer Selbstorganisation an. Blockchains nutzen kann, wer einen Internetzugang hat.

Open-Access-Geschäftsmodell für PUBLISSO –
ZB MED Publikationsplattform für die Lebenswissenschaften

Eva Seidlmayer und Ursula Arning
Obwohl der Anteil von Open Access-Publikationen (OA) derzeit bei lediglich 10-20% der wissenschaftlichen Publikationen liegt (Herbst 2017), sind viele WissenschaftlerInnen überzeugt, dass OA in Zukunft die wichtigste Veröffentlichungsform sein wird. Auch viele Forschungsförderer, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) oder die Max-Planck-Gesellschaft, geben den WissenschaftlerInnen ihrer Einrichtungen die Empfehlung im OA zu publizieren. Zunehmend werden hierzu, wie im Horizont-2020-Programm der EU, auch verbindliche Vorgaben gemacht, von denen die Förderung abhängt (BMBF 2017).

Innovationscheck für Bibliotheken –
Der Versuch eines alternativen Ansatzes

Ursula Georgy
Sehr viele Bibliotheken sehen heute durchaus die Notwendigkeit, innovativ zu sein. Sie stehen sich jedoch vor dem Problem, mit geringen Ressourcen auf dem Informationsmarkt mithalten zu müssen. Dies kann nur gelingen, wenn das Innovations-
management fester Bestandteil der Bibliotheksstrategie ist. Gleichzeitig muss Bibliotheken auch bewusst gemacht werden, dass sie mit ihrem Innovationsmanagement andere Schwerpunkte setzen müssen als die Privatwirtschaft. Geht es dort vor allem darum, „First Mover” zu sein, um z.B. Schutzrechte zu sichern oder
einen Wettbewerbsvorsprung zu erzielen, spielt dieser Aspekt in Bibliotheken eine eher untergeordnete Rolle. Die Innovationen sind größtenteils Dienstleistungsinnovationen und stehen somit allen Institutionen frei zur Verfügung. Daher setzen Bibliotheken – bis auf wenige Ausnahmen – überwiegend auf adaptive Innovationen, d.h. sie orientieren sich z.B. an anderen großen oder ausländischen Bibliotheken oder Non-Profit- Einrichtungen. Aber nicht vergessen werden darf die Anpassung auf die individuellen Gegebenheiten und Besonderheiten.