b.i.t.online 4 / 2026
EDITORIAL
Chefredakteur Dr. Rafael Ball,
Direktor der ETH-Bibliothek Zürich
Direktor der ETH-Bibliothek Zürich
Wofür sind Bibliotheken eigentlich da?
In der vorliegenden Ausgabe von b.i.t.online tragen allein sechs Beiträge bereits im Titel den Begriff KI. Das ist kein Zufall, sondern ein Symptom. Die Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken wird derzeit stark von Künstlicher Intelligenz, digitalen Transformationsprozessen, neuen Werkzeugen, neuen Services oder neuen Kompetenzanforderungen geprägt, denn KI verändert Recherche, Publizieren, Lernen, Lehren, Datenanalyse und Informationsbewertung. Und natürlich können und dürfen Bibliotheken diese Entwicklung nicht ignorieren.Aber die Häufung der KI-Thematik weist auch auf eine Gefahr hin. Wenn ein Thema alles überstrahlt, rückt leicht aus dem Blick, was eigentlich geklärt werden müsste. Viel zu sehr haben wir die Perspektive auf die zentralen Fragen bibliothekarischen Selbstverständnisses aus den Augen verloren.
Dazu gehören etwa die Fragen, wozu es Bibliotheken gibt, welchen (Betriebs)Zweck sie erfüllen oder was ihr unverwechselbarer Beitrag für Hochschule, Forschung und Gesellschaft ist.
Der Tagungsbericht von Vera Münch, Anne Jacobs und Helga Bergmann über die 114. BiblioCon 2026 in Berlin stellt genau diese Fragen. Sein Befund ist unbequem: „Nie zuvor präsentierte sich das Profil der Bibliotheken so unscharf. Zu viele Themen, zu wenig Kompetenz, zu viele Herausforderungen, zu wenig Geld und kein Gesamtkonzept.”
Das ist vielleicht etwas hart formuliert, aber nicht einfach von der
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FACHBEITRÄGE
KI-KOLUMNE
NACHRICHTENBEITRÄGE
KI-Technologien in Bibliotheken
zwischen Wunsch und Realität

Stephan Hollaender
Grafik erstellt mit Google Imagen/Gemini
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Vor anderthalb Jahren war in der New York Times zu lesen, dass die
Bibliothek am Hauptsitz von OpenAi Inc. in San Francisco ein beliebter Aufenthaltsort der Mitarbeitenden sei, der auf Anweisung von Sam Altman
ganz ohne Hi-Tech-Technologie auskomme. Der Raum sei in warmen Holztönen
gehalten und dem Rose-Leseraum der New York Public Library nachempfunden.
Das geneigte Publikum fragt sich, wie es möglich ist, dass in der Bibliothek
im Unternehmen, das mit ChatGPT im November 2022 eine Sensation in der Welt
der Internet Argonauten auslöste, keine Künstliche Intelligenz (KI)
anzutreffen ist?
Wer sich in den Bibliotheken Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (DACH) umschaut, stellt keine großen Unterschiede fest. Zwar verfügt die Mehrheit der Bibliotheken über ein Bibliotheks- system, Zugang zum Internet, aber KI bleibt vom bibliothekarischen Arbeitsumfeld noch weitgehend unsichtbar. Es gibt Ausnahmen. So haben die Nationalbibliotheken Deutschlands und der Schweiz sowie Hochschulbibliotheken erste Projekte mit KI unternommen, von denen noch zu sprechen sein wird, aber in der großen Mehrheit der Bibliotheken gibt es noch keine Bibliothekssysteme mit KI.
Wer sich hingegen in der gesamteuropäischen Bibliothekslandschaft umschaut, vermeint ein Nord-Südgefälle zu erkennen. Die Bibliotheken in den skandinavischen und baltischen Ländern scheinen sich dieser neuen Technologie früher und tatkräftiger angenommen zu haben als Bibliotheken in anderen Ländern.
Wer sich in den Bibliotheken Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (DACH) umschaut, stellt keine großen Unterschiede fest. Zwar verfügt die Mehrheit der Bibliotheken über ein Bibliotheks- system, Zugang zum Internet, aber KI bleibt vom bibliothekarischen Arbeitsumfeld noch weitgehend unsichtbar. Es gibt Ausnahmen. So haben die Nationalbibliotheken Deutschlands und der Schweiz sowie Hochschulbibliotheken erste Projekte mit KI unternommen, von denen noch zu sprechen sein wird, aber in der großen Mehrheit der Bibliotheken gibt es noch keine Bibliothekssysteme mit KI.
Wer sich hingegen in der gesamteuropäischen Bibliothekslandschaft umschaut, vermeint ein Nord-Südgefälle zu erkennen. Die Bibliotheken in den skandinavischen und baltischen Ländern scheinen sich dieser neuen Technologie früher und tatkräftiger angenommen zu haben als Bibliotheken in anderen Ländern.
DBV-KOLUMNE
REPORTAGE BIBLIOCON 2026
Welchen Betriebszweck erfüllt eine Bibliothek?

Vera Münch, Anne Jacobs, Helga Bergmann
KI hier, KI da, KI überall. Der Schutz demokratischer Rechte hier,
Demokratieförderung da. Transformationsprozess hier,
Organisationsentwicklung da. Bestandsentwicklung? Bericht über
die BiblioCon 2026 „Analog trifft Algorithmus”, Berlin 19. bis 22. Mai 2026.
Nie zuvor präsentierte sich das Profil der Bibliotheken so unscharf wie auf der 114. BiblioCon im Mai 2026 in Berlin. Zu viele Themen, zu wenig Kompetenz, zu viele Herausforderungen, zu wenig Geld und kein Gesamtkonzept. Stattdessen stehen Jahr für Jahr neue Hypes im Mittelpunkt, die Bibliotheken in der digitalen Transformation auf gar keinen Fall verpassen dürfen.
Die Zeit ist reif für eine konzertierte Zweckanalyse und Richtungsbestimmung. Wer kümmert sich darum?
Nie zuvor präsentierte sich das Profil der Bibliotheken so unscharf wie auf der 114. BiblioCon im Mai 2026 in Berlin. Zu viele Themen, zu wenig Kompetenz, zu viele Herausforderungen, zu wenig Geld und kein Gesamtkonzept. Stattdessen stehen Jahr für Jahr neue Hypes im Mittelpunkt, die Bibliotheken in der digitalen Transformation auf gar keinen Fall verpassen dürfen.
Die Zeit ist reif für eine konzertierte Zweckanalyse und Richtungsbestimmung. Wer kümmert sich darum?
Was es sonst noch bei der BiblioCon alles gab:
- „Sprecht in den Bibliotheken und Verbänden über Zensur
und die Bedeutung von freiem Zugang zu Information” Aus der internationalen Podiumsdiskussion „International perspectives and strategies of libraries for free access to knowledge, transparency, and democracy.” - Konferenz- und Ausstellungssplitter An der konferenzbegleitende Ausstellung beteiligten sich 146 Firmen und Organisationen, die auf 106 Ständen ihre Produkte und Dienstleistungen präsentierten.
- Ausgezeichnete Leistungen Auf der 114. BiblioCon wurden zahlreiche Preise vergeben. Darunter auch TIP Award 2026 und der b.i.t.online Innovationspreis.

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