26. November 2020

b.i.t.online   4 / 2018
Interviews

Blockchain for Science:
Wissenskommunikation als offene Volkswirtschaft denken – und gestalten

Gespräch mit Privatdozent Dr. med. Sönke Bartling, Facharzt für Radiologie,
assoziierter Forscher mit Forschungsschwerpunkt Blockchainrevolution am HIIG in Berlin, Autor von „Opening Science”
Am 5. und 6. November 2018 veranstalten Sönke Bartling und der Verlagsmanager und Konferenzorganisator Arnoud de Kemp in Berlin die erste internationale Konferenz Blockchain for Science, Research and Knowledge Creation.
„Es geht tatsächlich um den Aufbau und die Strukturierung eines Open-Science-Ökosystems, in dem die Wissenskommunikation ohne künstlich errichtete Barrieren fließen kann, in dem die Daten vertrauenswürdig sind, ihre Bereitstellung unabhängig von Einzelanbietern ist und der bürokratische Aufwand für die Forschenden in allen Bereichen reduziert wird.“
Es sei an der Zeit, Blockchain als Grundlage eines demokratischen dezentralen Organisationssystems für den akademischen
Wissensaustausch auf einer Konferenz zu diskutieren. Blockchain hätte das Potential, nicht nur das Publikationswesen, sondern auch die Forschungsförderung und Forschungsfinanzierung grundlegend zu verändern. Idealerweise könne das sichere Verfahren auch verlorengegangenes Vertrauen in Forschungsergebnisse wiederherstellen und die Reproduzierbarkeitskrise lösen. „Das wollen wir für die Wissenschaft nutzen.“
Nach Meinung von Bartling stehen wir an der Schwelle der zweiten durch das Internet ausgelösten Kulturrevolution. „Das neue Internet ist in den Startlöchern und es wird dann wohl wirklich machtunabhängig werden“, hofft er. Ein Internet ohne mächtige Oligopolisten.

Beispielloses Quellenmaterial für die aktuelle Forschung und retrospektive Analyse

Raymond Abruzzi, Programmdirektor Wiley Digital Archives bei John Wiley & Sons im Interview mit b.i.t.online
Wiley digitalisiert für namhafte Fachgesellschaften umfangreiches Archivmaterial: Manuskripte, Forschungsdaten, Konferenzpublikationen, Förderanträge und sonstige Primärquellen, die wichtige Bezüge zur aktuellen Forschung und Publikationen aufweisen. An den analogen Vorlagen führt Wiley bei Bedarf konservatorische Maßnahmen durch. Die Volltexte werden mit optischer Zeichenerkennung (OCR) automatisch erschlossen, Meta- und Katalogdaten hinzugefügt. Der Verlag denkt auch darüber nach,
möglicherweise mit Universitäts- und Nationalbibliotheken zusammenzuarbeiten, um Forschungsinhalte zu identifizieren. Das digitalisierte Archivmaterial bietet Wiley in Themensammlungen mit hoch entwickelten Nutzungsfunktionen an, zum Beispiel dem Export handschriftlicher Feldforschungstabellen aus dem Jahr 1650 in Excel oder statistische Auswertungen wie beispielsweise Begriffshäufigkeiten in bestimmten Epochen, um nur zwei Beispiele zu nennen.